Himbeerblättertee

Rundumbetreut · Schwangerschaft

Himbeerblättertee: Was ist dran?

Tradition, Studien und meine Erfahrung aus der Hebammenarbeit

Himbeerblättertee gehört für viele Frauen zur Vorbereitung auf die Geburt. Über lange Zeit wurde er häufig empfohlen, weil er die Gebärmuttermuskulatur unterstützen und den Geburtsverlauf erleichtern soll. Was sagen die Studien dazu und wie bewerte ich die Empfehlung heute?

Meine Erfahrung mit Himbeerblättertee

Über viele Jahre habe ich in der Geburtsvorbereitung häufig drei Tassen Himbeerblättertee täglich empfohlen. Das war damals eine gängige Empfehlung. Die Frauen, die ich begleitet habe, kamen damit in der Regel gut klar und haben die kleine Teezeremonie zur Einstimmung auf die Geburt überwiegend als positiv empfunden.

Äußerst selten wurde der Tee nicht so gut vertragen. Probleme beim Versorgen oder Nähen von Geburtsverletzungen habe ich in meiner langjährigen Arbeit nicht beobachtet. Auch sonst sind mir keine wiederkehrenden Nachteile aufgefallen.

Vor einigen Jahren bin ich vorsichtiger geworden und habe meist nur noch eine Tasse täglich empfohlen. Dazu beigetragen haben die begrenzte Studienlage und Berichte, die im Internet immer wieder auftauchten: Das Dammgewebe werde weich oder porös, Risse kämen häufiger vor und ließen sich schlechter nähen.

Bei genauerem Hinsehen beruhen diese Aussagen auf einzelnen Erfahrungsberichten von Hebammen, die in einem Blogbeitrag weitergegeben wurden. Es handelt sich nicht um eine Untersuchung mit dokumentierten Fällen. Wenn solche Aussagen oft geteilt werden, können sie sehr überzeugend wirken, auch wenn ihre Datengrundlage klein und unklar ist.5

Was wurde in den Studien beobachtet?

Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 1999 befragte 108 Frauen nach der Geburt. 57 von ihnen hatten Himbeerblattprodukte verwendet. Die Ergebnisse deuteten auf kürzere Geburtsphasen und weniger geburtshilfliche Eingriffe hin. Das war ein erster positiver Hinweis.1

In einer randomisierten Studie mit 192 Erstgebärenden wurden ab der 32. Schwangerschaftswoche täglich zweimal 1,2 Gramm Himbeerblatttabletten eingenommen. In der Himbeerblattgruppe war die Austreibungsphase im Durchschnitt knapp zehn Minuten kürzer. Zangengeburten traten seltener auf, 19,3 Prozent gegenüber 30,4 Prozent in der Vergleichsgruppe. Diese Ergebnisse sind interessante positive Signale aus einer kontrollierten Studie. Bei den untersuchten Geburtsergebnissen insgesamt zeigten sich keine statistisch eindeutigen Unterschiede zwischen den Gruppen.2

Eine prospektive Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2024 begleitete 91 Frauen, von denen 44 Himbeerblätter verwendeten. In dieser Gruppe waren medikamentöse Wehenunterstützung, PDA, operative Geburten und Kaiserschnitte seltener. Die Geburtsphasen waren im Durchschnitt kürzer. Das sind weitere positive Hinweise. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, die Ergebnisse in größeren Studien weiter zu untersuchen.3

Insgesamt gibt es also positive Studienhinweise, die gut zu den langjährigen Erfahrungen vieler Hebammen und Schwangerer passen. Die bisherige Forschung betrachtet vor allem Geburtsverlauf und Geburtsmodus.

Was macht Himbeerblättertee möglicherweise?

Laboruntersuchungen zeigen, dass Bestandteile der Himbeerblätter glatte Muskulatur beeinflussen können. Dazu gehört auch die Gebärmuttermuskulatur. Je nach Zubereitung wurden unterschiedliche Wirkungen beobachtet. Daraus entstand die Vorstellung, dass Himbeerblätter die Gebärmutter bei der Wehentätigkeit unterstützen könnten.4

In den Studien mit Schwangeren wurde nicht direkt gemessen, wie sich die Gebärmutter durch den Tee verändert. Die positiven Ergebnisse beziehen sich auf den Verlauf der Geburt, etwa Wehenunterstützung, Geburtsdauer und Geburtsmodus. Eine gezielte Wirkung auf Muttermund oder Damm ist in diesen Studien nicht untersucht worden.

Himbeerblättertee und der Damm

Die häufig weitergeteilten Berichte über ein besonders weiches oder poröses Dammgewebe stammen aus einzelnen Hebammenbeobachtungen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 erfasste bei 315 Erstgebärenden verschiedene Maßnahmen zur Geburtsvorbereitung, darunter auch Himbeerblätter. Für Himbeerblätter zeigte sich dabei kein statistisch bedeutsamer Zusammenhang mit Dammverletzungen. Wie viele Frauen Himbeerblätter verwendet hatten und in welcher Form, wurde in der veröffentlichten Zusammenfassung nicht genau angegeben.4

Aus meiner eigenen Betreuung kenne ich keine Schwierigkeiten beim Nähen, die ich auf Himbeerblättertee zurückgeführt hätte. Die Berichte von Kolleginnen nehme ich als persönliche Beobachtungen wahr. Sie erklären, woher die Sorge kommt, und können weitere Forschung anregen.

Tee und Tabletten sind unterschiedliche Zubereitungen

Die randomisierte Studie untersuchte Himbeerblatttabletten mit einer festgelegten Menge ab der 32. Schwangerschaftswoche. Beim Tee werden wasserlösliche Bestandteile aus den getrockneten Blättern in den Aufguss gezogen; die Blätter selbst werden anschließend entfernt. Tee und Tabletten sind deshalb unterschiedliche Zubereitungen. Die Tablettendosis lässt sich nicht direkt in eine bestimmte Zahl Tassen umrechnen.

Meine praktische Empfehlung

Wenn ihr Himbeerblättertee gerne trinken möchtet, könnt ihr ab der 36. Schwangerschaftswoche ein bis drei Tassen täglich ausprobieren. Für eine Tasse übergießt ihr einen Teelöffel getrocknete Himbeerblätter mit sprudelnd kochendem Wasser und lasst den Tee fünf bis zehn Minuten ziehen.

Achtet darauf, wie ihr euch damit fühlt. Ihr müsst Himbeerblättertee nicht trinken. Euer Körper bereitet sich auch ohne Tee auf die Geburt vor.

Quellen und weiterführende Informationen
  1. Parsons M, Simpson M, Ponton T. Raspberry leaf and its effect on labour: safety and efficacy. Australian College of Midwives Incorporated Journal. 1999;12(3):20 bis 25. PubMed.
  2. Simpson M, Parsons M, Greenwood J, Wade K. Raspberry leaf in pregnancy: its safety and efficacy in labor. Journal of Midwifery & Women’s Health. 2001;46(2):51 bis 59. PubMed.
  3. Bowman RL, Taylor J, Davis DL. Raspberry leaf use in pregnancy: a prospective observational study. BMC Complementary Medicine and Therapies. 2024;24:169. Volltext.
  4. Bowman RL et al. Biophysical effects, safety and efficacy of raspberry leaf use in pregnancy: a systematic integrative review. BMC Complementary Medicine and Therapies. 2021;21:56. Volltext. Die Übersicht bespricht auch die Dammstudie von Bohatá und Dostálek aus 2016. Studie auf PubMed.
  5. Jana Friedrich. Über Anwendung und Wirkung von Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung. Hebammenblog, 2022. Der Beitrag gibt Berichte aus Kolleginnengesprächen wieder. Beitrag.

Stand: Oktober 2026.

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